Sonnenbrand ist das Einzige, was du an der Sonne wirklich spürst – und genau das führt dich in die Irre. Der Teil des Sonnenlichts, der brennt, macht nur einen schmalen Streifen am Rand des Spektrums aus. Der weitaus grössere Teil, der deine Haut über die Jahre altern lässt, erreicht dich, ohne dass du etwas davon merkst.
Von dem Sonnenlicht, das am Boden ankommt, sind nur etwa fünf Prozent UV-Strahlung. Sichtbares Licht und Infrarot teilen sich den grossen Rest. Und wenn man misst, wo in der Haut die freien Radikale entstehen, die Kollagen abbauen, dreht sich das gewohnte Bild: In einer Auswertung gingen rund die Hälfte auf sichtbares Licht zurück, 46 Prozent auf UVA – und nur 4 Prozent auf UVB, also genau den Teil, der brennt. Gehen wir das Spektrum durch, vom Brennen bis zur unsichtbaren Wärme.
UVB: der Teil, der brennt – und Vitamin D macht
UVB ist die kurzwellige Strahlung. Sie dringt nicht tief, reicht aber für den Sonnenbrand und für direkte Schäden am Erbgut der Hautzellen – der Grund, warum UVB mit Hautkrebs in Verbindung steht.
Gleichzeitig ist UVB das einzige Licht, das deine Haut Vitamin D bilden lässt: Es wandelt eine Vorstufe in der Haut in Vitamin D3 um. Das klingt nach einem Argument fürs Sonnenbaden, ist aber keins. Schon kurze Phasen mit unbedecktem Gesicht und Armen, ein paar Mal pro Woche, reichen aus. Darüber hinaus produziert die Haut nicht mehr Vitamin D, sondern sammelt nur noch Schaden. Durch Fensterglas funktioniert es ohnehin nicht – UVB kommt da nicht durch (UVA schon, dazu gleich mehr). Und in Zürich steht die Sonne von etwa November bis März zu tief, um überhaupt Vitamin D zu bilden; in dieser Zeit kommt es aus dem Essen oder einer Ergänzung. Eine Entwarnung noch für alle, die täglich Sonnenschutz tragen: Studien zeigen, dass regelmässige Nutzer keinen Vitamin-D-Mangel haben. Du musst dich nicht zwischen Schutz und Vitamin D entscheiden.
UVA: tief, unsichtbar, das ganze Jahr
UVA dringt viel tiefer ein, bis in die Lederhaut. Einen Sonnenbrand löst es kaum aus, dafür baut es über Jahre Kollagen und Elastin ab und fördert Pigmentflecken. Damit ist UVA-Strahlung die treibende Kraft hinter vorzeitiger Hautalterung. Und sie ist hartnäckig: UVA ist das ganze Jahr präsent, auch bei dichten Wolken, und es geht durch Fensterglas – im Auto, am Schreibtisch neben dem Fenster.
Für unsere Pre-Aging-Arbeit ist UVA deshalb der eigentliche Gegner. Und genau hier entscheidet sich guter Sonnenschutz: nicht an der SPF-Zahl, die nur den Sonnenbrand abdeckt, sondern an einem starken UVA-Schutz, erkennbar am UVA-Zeichen im Kreis oder an der Stufe PA++++. Worauf es dabei ankommt, haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschlüsselt.
Die Sonne wirkt weiter, wenn du längst drinnen bist
Und hier kommt der Befund, der die Sache auf den Kopf stellt. Lange ging man davon aus, dass UV-Schäden in dem Moment entstehen, in dem das Licht auf die Haut trifft. Eine Arbeit aus Yale hat gezeigt, dass das nur die halbe Wahrheit ist.
In den Pigmentzellen der Haut entstehen die typischen UV-Schäden am Erbgut noch über drei Stunden, nachdem die UVA-Bestrahlung längst vorbei ist. Die Hälfte dieser Schäden bildet sich im Dunkeln. Dahinter steckt ein Umweg: UV zerlegt das Pigment Melanin in kleine Bruchstücke, deren Energie sich langsam entlädt und die DNA erst Stunden später trifft – so, als käme ein UV-Photon mit Verspätung.
Die Forscher bringen es so auf den Punkt: Wir unterschätzen UV-Schäden, weil wir immer direkt nach der Sonne messen. Für dich heisst das vor allem eines: Der Effekt der Sonne hört nicht auf, wenn du ins Haus gehst.
Blaulicht: die Sonne ist das Problem, nicht dein Bildschirm
Sichtbares Licht ist nicht so harmlos, wie es klingt – vor allem der blaue, energiereiche Anteil, kurz HEV. Er dringt sogar tiefer ein als UVA und UVB, bis in die Lederhaut.
Aus der Sonne kann Blaulicht eine hartnäckige Pigmentierung auslösen, besonders bei dunkleren Hauttypen und bei Melasma; die Pigmentzellen haben dafür einen eigenen Sensor. Es erzeugt ausserdem freie Radikale, die kollagenabbauende Enzyme aktivieren und die hauteigenen Antioxidantien verbrauchen – die Erholung danach dauert bis zu einen Tag. Das ist der Grund, warum getönte Sonnencremen mit Eisenoxid für pigmentanfällige Haut sinnvoll sind.
Und der Bildschirm? Hier wird viel Angst verkauft, die die Zahlen nicht hergeben. Das Blaulicht von Handy und Laptop ist im selben Wellenbereich hundert- bis tausendmal schwächer als die Sonne. Die Menge, die über einen Tag am Bildschirm zusammenkommt, bleibt weit unter der Schwelle, ab der sich Pigment überhaupt verändert. In einer kontrollierten Studie sass eine Gruppe fünf Tage lang je acht Stunden vor einem hellen Bildschirm – das Melasma wurde nicht schlechter. «Digital Aging» durch deinen Bildschirm ist also überzogen. Wer sich vor Blaulicht schützen will, schützt sich vor der Sonne. Die Langzeitdaten zu Bildschirmen sind noch dünn, aber nach allem, was wir heute wissen, ist dein Laptop nicht das Problem.
Infrarot: nah, fern – und überraschend umstritten
Bleibt der grösste und wärmste Teil des Spektrums: Infrarot. Es reicht von 760 Nanometern bis weit darüber hinaus und wird in drei Bereiche geteilt. Das nahe Infrarot (IR-A) dringt am tiefsten ein – über 65 Prozent davon erreichen die Lederhaut. Das mittlere und ferne Infrarot (IR-B und IR-C) bleibt oberflächlicher. Infrarot macht mehr als die Hälfte der Sonnenenergie aus, gut ein Drittel davon ist IR-A.
Was es in der Haut anrichtet, hat vor allem eine Düsseldorfer Forschungsgruppe untersucht. In der Lederhaut löst nahes Infrarot über die Mitochondrien freie Radikale aus und steigert MMP-1, das wichtigste kollagenabbauende Enzym – in lebender Haut bei rund 80 Prozent der Probanden, und es senkt zugleich den Antioxidantien-Gehalt der Haut. Dazu kommt die Wärme selbst: Unter der Sonne heizt sich die Haut auf über 40 Grad auf, und auch das treibt den Kollagenabbau.
So weit die eine Seite. Die andere ist genauso wichtig, weil sie selten erzählt wird: Wie stark Infrarot im echten Leben altert, ist umstritten. Viele dieser Studien arbeiteten mit künstlichen Infrarot-Lampen, die das Sonnenspektrum nicht abbilden, und blendeten die Wärme aus. Eine Übersichtsarbeit rechnete vor, dass die jährliche Infrarot-Dosis aus normalem Sonnenverhalten etwa der von Hochofen-Arbeitern entspricht – die kaum chronische Hautschäden zeigen – und hielt es deshalb für verfrüht, Infrarot-Schutz in Sonnencremen einzubauen und damit gegen Hautalterung zu werben. Bei realistischen Dosen, so andere Arbeiten, könnte nahes Infrarot sogar eher neutral wirken.
Unsere Linie daraus: Infrarot reicht tief und ist biologisch plausibel beteiligt – aber «blockt Infrarot» auf einer Verpackung läuft der Evidenz voraus. Kauf ein Produkt nicht für dieses Versprechen.
Warum wir bei Dermalux selbst mit Infrarot arbeiten
Womit wir bei einer naheliegenden Frage sind. Wenn nahes Infrarot die Haut altern kann – warum strahlen wir dich bei Dermalux genau damit an?
Die Antwort ist der interessanteste Teil dieses Artikels, und sie führt zurück zu den Mitochondrien, den Kraftwerken jeder Zelle. Rotes Licht (um 633 Nanometer) und nahes Infrarot (um 830 Nanometer) werden dort von einem Enzym aufgenommen, der Cytochrom-c-Oxidase. Ist die Zelle gestresst, blockiert ein Molekül – Stickstoffmonoxid – dieses Enzym und bremst die Energieproduktion. Das Licht löst diese Bremse: Das Enzym läuft wieder an, und die Zelle bildet mehr ATP, ihre Energiewährung. Mehr Energie heisst mehr Kapazität, um zu reparieren und Kollagen aufzubauen.
Der Haken steckt in der Dosis. Dieselben Wellenlängen regen in kleiner, kontrollierter Menge an – in hoher, unkontrollierter Menge können sie das Gegenteil bewirken. Und anders als UV trägt rotes und nah-infrarotes Licht nichts von der erbgutschädigenden Wirkung in sich.
Unser Dermalux arbeitet mit drei Wellenlängen: Blau (415 nm) gegen die Bakterien hinter Akne, Rot (633 nm) für Kollagen und zur Beruhigung, nahes Infrarot (830 nm) für die tiefere Reparatur. Das 830-nm-Licht liegt im selben nah-infraroten Bereich wie das IR-A der Sonne – und wirkt trotzdem in die andere Richtung. Der Unterschied liegt in fünf Punkten: kein UV; einzelne, gezielt gewählte Wellenlängen statt eines breiten Gemischs; eine dosierte Anwendung über wenige Minuten statt jahrelanger, unkontrollierter Belastung; keine unkontrollierte Hitze; und die Richtung, nämlich Kollagen aufzubauen statt es abzubauen.
Damit löst sich auch der scheinbare Widerspruch aus dem Infrarot-Kapitel auf. «Infrarot altert» ist zu kurz gedacht. Was entscheidet, sind Dosis, Wellenlänge und der Zusammenhang, in dem das Licht auf die Haut trifft.
Was wirklich schützt
Wenn du dir aus diesem Artikel eine Sache merkst, dann diese: UVA, sichtbares Licht und Infrarot münden alle in denselben Mechanismus – oxidativen Stress, also freie Radikale. Genau da muss Schutz ansetzen, statt jeder Strahlenart mit einem eigenen Gadget hinterherzulaufen.
Was wirklich trägt, ist überschaubar. Ein Sonnenschutz mit starkem UVA-Schutz deckt den Teil ab, der nachweislich am meisten zur Hautalterung beiträgt; worauf du achtest und welche wir empfehlen, steht an anderer Stelle. Wer zu Pigmentflecken neigt oder einen dunkleren Hauttyp hat, fährt mit einer getönten Variante mit Eisenoxid besser, weil sie zusätzlich sichtbares Licht abhält. Gegen die Wärme der Sonne helfen Schatten, ein Hut und das Meiden der Mittagshitze mehr als jedes «Anti-Infrarot»-Produkt.
Und dann sind da die Antioxidantien. Sie greifen genau den gemeinsamen Nenner an: die freien Radikale, die UVA, Infrarot und sichtbares Licht erzeugen. Vitamin C fängt Radikale ab und ist zugleich Baustein der Kollagenbildung; das Kupferpeptid GHK-Cu unterstützt Kollagen und die hauteigene Abwehr. Im Studio bringt ein HydraFacial Antioxidantien direkt in die Haut, und Dermalux arbeitet mit dem reparierenden roten und nah-infraroten Licht.
Wie Antioxidantien im Detail wirken, welche aus dem Tiegel und welche vom Teller, ist ein Thema für sich – dem widmen wir den nächsten Artikel.
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Altert Sonnenlicht die Haut auch ohne Sonnenbrand?
Ja. Der Sonnenbrand kommt von UVB, einem schmalen Teil des Sonnenlichts. Für die vorzeitige Hautalterung sind vor allem UVA, sichtbares Licht und Infrarot verantwortlich – und die spürst du nicht. UVA dringt tief ein und baut über Jahre Kollagen ab, ganz ohne Brennen.
Schädigt das Blaulicht von Handy und Computer die Haut?
Nach heutigem Wissen kaum. Das Blaulicht von Bildschirmen ist im selben Wellenbereich hundert- bis tausendmal schwächer als die Sonne und bleibt unter der Schwelle, ab der sich Pigment verändert. In einer kontrollierten Studie verschlechterte selbst intensive Bildschirmnutzung über mehrere Tage ein Melasma nicht. Das Blaulicht der Sonne ist dagegen ein echter Faktor.
Was ist der Unterschied zwischen nahem Infrarot und Infrarot?
Infrarot reicht von 760 Nanometern bis weit darüber hinaus und wird in drei Bereiche geteilt. Das nahe Infrarot (IR-A) dringt am tiefsten ein, bis in die Lederhaut. Das mittlere und ferne Infrarot (IR-B und IR-C) bleibt oberflächlicher. Für die Haut ist vor allem das nahe Infrarot relevant.
Wenn Infrarot die Haut altert – warum nutzt eine LED-Behandlung wie Dermalux dann Infrarot?
Weil Dosis, Wellenlänge und Zusammenhang entscheiden. Dermalux nutzt einzelne, gezielt gewählte Wellenlängen in dosierter Menge, ohne UV und ohne unkontrollierte Hitze. Rotes und nah-infrarotes Licht regt dabei über die Mitochondrien die Energieproduktion und die Kollagenbildung an – im Gegensatz zur jahrelangen, unkontrollierten Belastung durch die Sonne.
Welcher Schutz hilft gegen UVA, Infrarot und sichtbares Licht?
Alle drei münden in denselben Mechanismus: oxidativen Stress. Ein Sonnenschutz mit starkem UVA-Schutz, bei pigmentanfälliger Haut eine getönte Variante mit Eisenoxid, dazu Antioxidantien und Verhalten wie Schatten und Hut decken das breit ab. Ein spezielles «Anti-Infrarot»-Produkt braucht es dafür nicht
